Ursachen

Welche Ursachen hat die Finanzkrise ? Wie konnten wir und andere Länder auf der Welt überhaupt in diese schwierige Situation kommen ? Ursachen gibt es viele.

Es gibt grundlegende Fehler im Finanzsystem, die diese Krise überhaupt ermöglicht haben:

  • Probleme auf den Immobilienmärkten
  • Spekulations-Exzesse mit Derivaten etc.
  • Steueroasen

Es gibt grundlegende Fehler in unseren Sozialsystemen:

  • Rentensystem (Die Rentenversicherung wurde in Deutschland zum ersten Mal 1891 eingeführt. Anfangs basierte das System rein auf Ansparungen. Aufgrund der hohen Kosten der beiden Weltkriege konnte dieses System nicht mehr aufrecht gehalten werden. Daher wurde das Rentensystem im Jahre 1957 auf umlagefinanziert umgestellt. Wer also jetzt in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, spart kein Vermögen für seine eigene Rente an – er finanziert damit lediglich die aktuellen Rentenzahlungen. Da die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird, nimmt die Zahl der Rentner immer weiter zu. Das heißt immer weniger Arbeiter müssen immer mehr Rentner versorgen.)
  • Gesundheitssystem (Die Kosten für Arztbehandlungen und Medikanente steigen, die gesetzlichen Krankenkassen können trotz gestiegener Beiträge die Kosten nicht mehr tragen. Sie benötigen zusätzliches Geld vom Staat.)
  • Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe (Immer mehr Menschen müssen vom Staat unterstützt werden)

Eine der Hauptursachen ist jedoch der Zinseszins und das damit verbundene Geldmengenwachstum. Diese exponentiell verlaufende Kurve wird immer stärker ansteigen als die lineare Kurve des Güterwachstums!

Um die riesige Staatsverschuldung abbauen zu könnnen, haben die Länder im Prinzip nur vier Möglichkeiten: Sparen, Wachstum, Inflation – und Staatspleiten. Wie sind die Chancen und Risiken einzuschätzen? Fest steht nur – über Jahrzente stieg die Staatsverschuldung immer weiter an – es gibt jetzt keine “einfachen” Lösungen mehr.

Abbau der Staatsverschuldung durch – Sparen ?

(Fernsehbeitrag von “PLUSMINUS” im ARD vom 01.06.2010)

Fazit: Mit harten Sparmaßnahmen kann die Krise sogar noch verschärft werden! Wenn der Staat in der aktuellen Situation Leistungen kürzt (Elterngeld, Sozialhilfe, Renten, etc.) und möglicherweise sogar noch Steuererhöhungen durchführt, wird die Nachfrage zurückgehen. Die Bevölkerung hat weniger Geld für Konsum zur Verfügung. Wenn diese Sparmaßnahmen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa, Japan oder den USA durchgeführt werden, so wird die Weltwirtschaft einbrechen. Um ihre Umsatzziele zu erreichen, müssen Firmen entweder die Preise für ihre Produkte senken (Bsp. Elektronikartikel, Autos, etc.) oder effizienter werden – sprich Angestellte entlassen. Dies führt dann zu einer Deflation – die Preise sinken – der Wirtschaft und den Unternehmen geht es schlechter und die Steuereinnahmen sinken ebenfalls. Eine ähnliche Situation gab es bereits schon einmal – 1929….

Ist es überhaupt realistisch, dass die aktuellen Staatsschulden durch Sparmaßnahmen jemals wieder zurück geführt werden können ? NEIN ! Obwohl Deutschland im internationalen Vergleich noch vergleichsweise gut darsteht, müssen alle staatlichen Ebenen im Jahr 2010 zusammen insgesamt 63,2 Milliarden Euro an Zinsen zahlen ! (Quelle: Bund der Steuerzahler) Daher muss Deutschland im Jahr 2010 auch vermutlich ca. 70 Millliarden neue Schulden machen. Angenommen den Fall Deutschland würde ab sofort keine neuen Schulden mehr aufnehmen und sogar jeden Monat 1 Milliarde an Schulden zurückzahlen – es würde 138 (!) Jahre dauern, bis Deutschland schuldenfrei wäre…..

Abbau der Staatsverschuldung durch – Wachstum ?

Unsere Politiker nennen durchgängig “Wachstum und Beschäftigung” als vorrangiges Ziel ihrer Politik. Warum ?
Durch Wachstum der Wirtschaft soll auch die Beschäftigung und damit die Steuereinnahmen steigen. Gleichzeitig sollen die Kosten des Staates für Sozialleistungen (Hartz IV, Arbeitslosengeld etc.) sinken. Um die Wirtschaft anzukurbeln werden häufig spezielle Konjunkturhilfen eingesetzt. So sollte in Deutschland die sogenannte Abwrackprämie den Verkauf von Neuwagen ankurbeln. Tatsächlich unterstützen diese Maßnahmen die Wirtschaft – das dies aber meist nur kurzfristige Effekte sind, habe ich schon in einem Artikel zur Abwrackprämie aufgezeigt. Unter dem Strick kosten diese staatlichen Förderprogramme mehr als sie bringen – die Staatsschulden steigen weiter…. Ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft kann nur durch strukturelle Maßnahmen erreicht werden. Aufgrund des “Zinseszins Effektes” kann aber das Wachstum der Wirtschaft (lineare Kurve) nie dauerhaft über dem Wachstum der Schulden (exponentielle Kurve) liegen.

Abbau der Staatsverschuldung durch – Inflation ?

Die Inflationsrate hängt wesentlich von der Geldversorgung ab. Die Geldmenge hängt dabei vom Zusammenspiel von Notenbank, Geschäftsbanken und Kreditnehmern ab. Neben der Geldmenge beeinflussen aber auch noch andere Faktoren die Inflationsrate. Hierzu gehören die Kapazitätsauslastung, Lohnhöhen, Rohstoffpreise und die Wechselkurse. Aus diesen Gründen hat sich die Wirkungen der extrem expansiven Geld- und Finanzpolitik in der letzten Zeit auch noch gar nicht entfaltet. Im Gegenteil – u.a. weil die Banken aktuell ihre katastrophalen Eigenkapitalausstattung verbessern, ist die Kreditvergabe in letzter Zeit sehr restriktiv – eine Deflation ist daher in den nächsten 1-2 Jahren sehr viel wahrscheinlicher.

Unser Bundesbankpräsident Axel Weber sieht dies nicht als Lösungsmöglichkeit, sondern hält diesen Weg für “grob fahrlässig und gefährlich” (Quelle: Wirtschaftswoche). Durch höhere Inflationsziele wird das Vertrauen der Finanzmärkte und der Bevölkerung verspielt.
(Update & Ergänzungen in Kürze)

Abbau der Staatsverschuldung durch – Staatspleiten ?

Es war und ist normal für Länder, dass sie sich Geld leihen und auf Kredit “leben”. Im Idealfall werden mit diesen Schulden Investitionen finanziert, um die Wirtschaft zu fördern oder Bildungsinstitutionen aufzubauen. Sehr häufig werden die Kredite aber genutzt um Fehler in den Sozialsysteme (Gesundheitssystem, Rentensystem) zu kaschieren, oder es werden Wahlgeschenke von der Politikern gemacht, damit sie wieder gewählt werden. Sehr häufig werden die Schulden aber auch genutzt um überhaupt die Zinszahlungen für die bestehenden Kredite aufbringen zu können.

Ein Staat kann sich fast unbegrenzt Geld leihen, das Ende der Fahnenstange ist erst dann erreicht, wenn sich kein Gläubiger mehr findet der ihm Geld leiht. Dies ist zwar relativ selten, kann aber durchaus eintreten – z.B. bei Argentinien im Jahr 2002. Wenn kein anderes Land mehr Geld leihen möchte, ist häufig der internationale Währungsfond die letzte Instanz, die noch Geld verleiht. Ungarn, Lettland und die Ukraine konnten nur mit der Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Staatspleite vermeiden. Eine drohende Staatspleite führt aber schon vorher zu Problemen, die die Situation sogar noch verstärken: Das Land wird in seiner Kreditwürdigkeit herabgestuft – dies führt dazu, dass die Zinshöhe für neue Kredite steigt. Für das Land wird es so immer schwieriger der Schuldenfalle zu entkommen.

Eine Staatspleite wie bei Unternehmen die Insolvenz ist so nicht vorgesehen. Sollte jedoch ein Land seine laufenden Zinszahlungen nicht mehr bedienen können und auch keine weiteren Kredite mehr erhalten, so bleibt dem Land keine andere Möglichkeit. Die Gläubiger – also in einem großem Maße die in- und ausländischen Banken – müßten zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Die Kredite der EZB an Griechenland haben nämlich in erster Linie den weltweiten Banken geholfen.

Henry Ford (1863-1947)
„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh.“

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